Die Zeit von 1933 bis 1945

Diese Epoche bringt weitreichende Verän­derungen für den Alpenverein und die Sektion. Das Ende des Zweiten Weltkrieges ist zugleich der vollständige Zusammenbruch des Alpen­vereins.

1933 

beeinträchtigen die geänderten politischen Verhältnisse das Sektionsgeschehen.

Bei einer nationalen Veranstaltung in Stuttgart schlägt Dr. Allwein dem Reichssportführer von Tschammer und Osten die Gründung eines Bergsteigerverbandes vor. Daraufhin bittet Tschammer auf Vorschlag Dr. Allweins Bauer nach Berlin und trägt ihm die Leitung dieses Vereins im „Deutschen Reichsbund für Leibesübungen“ an, was Bauer auch tut. Paul Bauer schildert später: „Zu meiner Überraschung for­derte er mich dann auf, meine Gedanken, wie der Verein zu führen sei, niederzulegen, stellte mir eine Schreibkraft und drei Stunden Zeit zur Verfügung.“ Möglicherweise hat dieses Vor­ gehen den deutschen Teil des Alpenvereins vor der Auflösung bewahrt. 

Die vorgeschriebenen Satzungsänderungen werden in der Hauptversammlung am 15. No­vember beschlossen. Sie beziehen sich auf die Einführung des Führergrundsatzes und der Arierbestimmung. Danach wird nur noch der „Führer der Sektion“ gewählt, der einen Beirat nach Vorschlägen der Mitgliederversammlung ernennt. Die Arierbestimmung besagt, dass Ju­ den nicht Mitglied einer Sektion sein können. Unser Gründungsmitglied Ignaz Stiefel ist direkt davon betroffen. Ignaz Stiefel hat sich durch seine humorvollen Vorträge bei unzähligen Sektionsveranstaltungen, vielen Führungstouren und engagierte Mitarbeit in der Sektion große Verdienste für die Sektion erworben. Von nun an tritt er nicht mehr öffentlich in Erscheinung, bleibt aber dennoch Mitglied der Sektion und bekommt 1937 das Ehrenzeichen für 40­jährige Mitgliedschaft im Alpenverein. Öfters begleiten Hochländer den stark Sehbe­hinderten ins Gebirge und verhelfen ihm auch zu überleben. Ignaz Stiefel stirbt 1951 im Alter von 86 Jahren in München.

Dr. Allwein wird Mitglied des Verwaltungsausschusses des Alpenvereins. Paul Bauer wird als „Führer der Gruppe Bergsteigen und Wandern im Reichssportführerring“ und unser

„Schi­Maier“ zum „Führer des Deutschen Skiverbandes“ ernannt.

Die alpinen Aktivitäten gehen in allen Be­ reichen der Sektion stark zurück.

1934 

unternehmen die Mitglieder Toni Greindl, Oskar Mugler, Walter Schäfer und Herbert Schaller die mit besten bergsteigerischen Erfolgen gekrönte Fahrt in die nordalbanischen Alpen.

Nach dem Verbot der Naturfreunde wird die Wimbachgrieshütte „pachtweise“ übernommen.

Nach 25­jähriger Tätigkeit als Hüttenwart tritt Gottfried Meller zurück. Er war als „Baumeister“ bei allen Hüttenprojekten maßgebend beteiligt und hat für die Sektion Großartiges geleistet.

Durch die Grenzsperre nach Österreich wird das traditionelle Tourengebiet der Hochländer eingeschränkt, wodurch allerdings der Besuch auf unseren Hütten ansteigt.

1935 

kommt Ernst Schmidt in einer Eislawine am Piz Bernina ums Leben.

Toni Greindl, Hermann Hundt, Rolf Richter und Toni Wiedemann fahren nach Bulgarien und besteigen Berge im Rila­ und Piringebirge. Toni Wiedemann und Theus Hüttenhofer gelingt die Erstersteigung der Hochblassen­Nordkante.

Dr. Eugen Allwein wird zum „Vereinsführer“ gewählt.

1936 

leitet Paul Bauer die Deutsche Hima­laja­ Expedition nach Sikkim, die als Trainings­ Expedition für einen Nanga Parbat Angriff an­ gesehen wird. Mitglied Sigfried Neumann besteigt die großen Vulkane in Mexiko.

Die Jungmannschaft und die Jugendgruppe Jung­hochland bestehen aus je 31 Mitgliedern. Die Junghochländer verbringen insgesamt 37 Tage in den Bergen.

1937 

stürzt das Jungmannschaftsmitglied Josef Hieber im Karwendel tödlich ab.

Jung­ hochland ist unter Leitung von Jugendwart Josef Pölcher äußerst aktiv. Die Osterferien ver­ bringen sie bei Skitouren in den nördlichen Stubaiern und die Sommerfahrt geht in die Zillertaler Alpen zum Klettern im Urgestein und zur Einführung in das Eisgehen. Der Jugendwart Josef Pölcher berichtet ausführlich darüber. Im September wird der Erweiterungsbau der Blaueishütte eingeweiht. Hans Ackermann wird zum Ersten Schriftwart ernannt.

1938 

stürzt Eckhard Klein am Eiger tödlich ab.

Unser Gründungsmitglied Kunstmaler Rudolf Reschreiter stirbt im Alter von 70 Jahren.

Der Sektionsabfahrtslauf wird zusammen mit der Sektion Hall i.T. in Alpbach vom Schatzberg herab durchgeführt. Im Frühjahr erfolgt der Anschluss Österreichs. Dadurch sind die Türen für Bergsteiger wieder weit offen. Wie in früheren Jahren werden mehrere Ski­ und Kletterkurse durchgeführt.

Unsere Sektion muss sich jetzt „Zweig Hochland des DAV“ nennen.

1939 

der Zweite Weltkrieg beginnt. Viele Hochländer werden zur Wehrmacht eingezogen oder melden sich freiwillig. Für den zum Wehrdienst eingezogenen „Vereinsführer“ Dr. Eugen Allwein übernimmt der Stellvertreter Josef Paur die Leitung. Durch den Krieg ist das Sektionsleben nur eingeschränkt möglich. Den­ noch finden regelmäßig Vorträge statt und die abgegebenen Tourenberichte weisen noch im­ mer 2457 Touren auf.

1940 

sind 98 Mitglieder, darunter auch Paul Bauer, zur Wehrmacht eingezogen.

Die Jungmannschaft zählt 36 und Junghochland 42 Mitglieder.

Beide Gruppen sind weiterhin sehr aktiv im Gebirge. Die Besucherzahl auf unseren Hütten fällt um ein Drittel gegenüber dem Vorjahr.

Unsere Mitglieder Sigfried Neumann und Peter Aufschnaiter werden bei Expeditionen in Afrika bzw. Indien vom Krieg überrascht und von den Engländern interniert.

1941 

stürzt Junghochländer Richard Barbarino bei einer Bergrettungsübung an der Christaturm­Südostkante tödlich ab. Franz Maier („Arnspitz ­Maier“) durchsteigt die Pal­ lavicinirinne im Alleingang. Im Kriegseinsatz befindliche Hochländer berichten von Berg­ touren aus vielen Teilen Europas. Auf Antrag der Sektion wird das Arnspitzgebiet unter Naturschutz gestellt.

1942 

sind bereits 147 Mitglieder, 60 Jung­ mannen und 13 Junghochländer zum Kriegs­dienst eingezogen und 17 davon sind gefallen. 10 Vorträge werden noch durchgeführt, einige müssen durch Fliegeralarm unterbrochen wer­ den. Insgesamt werden noch 1348 Touren durchgeführt. Das Edelweißfest und das Weih­nachts­ und Stiftungsfest, bei denen die Jubilare für langjährige Mitgliedschaft geehrt werden, finden in einfachem, der Situation entspre­chendem Rahmen statt. Bei diesem Stiftungsfest wird gleichzeitig der 40. Geburtstag der Sektion begangen. Der „stellvertretende Vereinsführer“ Josef Paur gibt einen Rückblick auf das Geschehen seit der Gründung der Sektion.

1943­ - 1945 

ist die schwerste Zeit, die die Sektion seit der Gründung bestehen muss. Die Geschäftsstelle in der Sendlingerstraße wird im Dezember 1944 völlig zerstört. Die Lichtbildersammlung und Teile des Archivs gehen ver­loren.

Durch die weit schauende Vorsorge von Josef Paur werden wesentliche Vermögens­ stücke, z. B. Bilder von Reschreiter und Neu­ mann, gerettet. Selbst im Jahr 1943 finden noch die Sektionsveranstaltungen statt. Als im Frühjahr 1944 unser Sektionslokal Hofbräuhaus zer­ stört wird, finden sich die Hochländer in verschiedenen Gaststätten zusammen. Der Jahres­ bericht 1943 wird noch fertig gestellt, kann aber nicht mehr gedruckt und verteilt werden. Das Mitteilungsblatt „Der Hochländer“ erscheint als Ausgabe 53/54 im November 1943 zum letzten Mal. Die Mitglieder werden mit kurzen Rund­ schreiben über das wesentliche Geschehen unseres Vereinslebens unterrichtet. Die Sektion hat am Ende des Krieges rund 450 Mitglieder.

In den Jahren 1943 1945 verliert die Sektion:

Im Krieg gefallen: 25 Mitglieder, 34 Jungmannen und Junghochländer

durch Luftangriffe 5 Mitglieder

gestorben: 45 Mitglieder

vermisst : 13 Mitglieder, 5 Junghochländer

in Gefangenschaft: 10 Mitglieder bzw. Junghochländer.

Mitgliederzahlen 1933 - 1945

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